Der Plan war also am Montag um 10:30 Uhr den Bus nach Tierradentro zu nehmen.. nur, dass es um 10:30 Uhr keinen Bus gab.. Reiseführer und Internetinformationen haben und diesmal also wieder im Stich gelassen .. und nach langem Hin- und Herfragen und anfänglichem Unglauben haben wir uns dann doch damit abfinden müssen, dass wir erst mit dem 13:00 Uhr Bus fahren können.. Und weil die 4stündige Fahrt dann zu einer 5,5stündigen Fahrt wurde (unglaublich, was der Regen anrichten kann auf schlecht befestigten Straßen.. Gatschfahrbahn schlechthin) ist sich dann auch der Museumsbesuch nicht mehr ausgegangen, den man am ersten Tag vor der Wanderung machen sollte..
Na gut - wir disponieren um, Museum in der Früh und dann halt nur die kurze Wanderung, damit sich die Rückfahrt am nächsten Tag ausgeht.
Wir sind dann einfach bei einer Kurve rausgelassen worden - Tierradentro und San Andrés (das danebenliegende Dörfchen) 4 km diese Richtung.. Zu Fuß dann doch mit Rucksäcken gegen Abend etwas zu weit.. deshalb haben wir uns dann auf 2 Mopeds gesetzt und gehofft, dass die uns auch dorthin bringen, wo wir wollen und uns nicht irgendwohin mitnehmen oder ähnliches.. aber sie waren supernett und wir sind dann auch am richtigen Platz rausgelassen worden ;)
Nächste tolle Nachricht von der Dame in unserer Unterkunft: Die Hälfte der Ausgrabungsstätten und die zwei Museen sind am ersten Dienstag im Monat wegen Restaurierungs-/Renovierungsarbeiten geschlossen. Und drei Mal dürft ihr raten wann wir dort waren. Jap - am ersten Dienstag im Monat. ;) Sowas nennt man gutes Timing.. ;)
Also halt dann noch einmal umdisponieren: dann bleiben wir halt 2 Nächte. Und ich muss ganz ehrlich sagen, dass dieser Plan eh viel besser war und der ursprüngliche vermutlich eh nicht so gut geklappt hätte. Also hatte dann auch was gutes für sich, dass wir genau den ersten Dienstag im Monat erwischt haben, und dass es keinen Bus um 10:30 Uhr gegeben hat ;)
San Andŕes an und für sich unspannend - ein Minidörfchen mitten in den Bergen. Aber super gemütlich, ruhig, original. :) Hat mir total gut gefallen! Vor allem auch, weil wir fast die einzigen Touristen waren .. am ersten Abend waren noch 4 andere da, aber in der zweiten Nacht waren wir die einzigen. :)
Und die Unterkunftsdame war einfach unglaublich süß. Ca. Mitte 60 und so freundlich und höflich!! Jeden Satz hat sie mit Si, Senor angefangen .. und bei jedem Dankeschön hat sie mit "con mucho gusto" geantwortet! :) und sie hat super gekocht. Am liebsten hätte ich sie mitgenommen. ;)
Am Dienstag sind wir also dann statt den Museen gleich die längere Wanderroute gegangen. Und es war absolut cool! :) Der Reiseführer schreibt die Wanderung rund um die Ausgrabungsstätten ist eine der Top-Wanderoptionen in Kolumbien, und ohne andere gemacht zu haben würde ich das sofort unterschreiben!
Vorbei an Bananenbäumen und Kaffeeplantagen, bei kleinen Häusern, die von Bäumen und Gebüsch umgeben sind, durch ein Flussbett, vorbei an Pferden etc.
Die erste Ausgrabungsstätte am Weg war dann leider zu; bzw. die Grabmäler an sich waren zu, weil die Treppen zu gefährlich wären um in die zwischen 3 und 5 m tiefen Grabmäler zu steigen.. also weiter :)
Bis wir dann zu Aguacante (der am weitesten vom Museum entfernten Ausgrabungsstätte) mit 42 geöffneten Grabmälern gekommen sind.. :) Und das war unglaublich beeindruckend! Am höchsten Punkt in der näheren Umgebung haben vor 1.500 Jahren Leute einfach jede Menge Löcher in Stein gemeißelt.. und große Löcher! Und unglaublich steile Stufen um dort hinunter zu kommen! Und das absolut tollste an dem Ganzen: wir waren alleine! Komplett alleine.. das würde in Europa nie funktionieren. So uralte Ausgrabungen wären vermutlich ein Touristenmagnet, alles wäre abgesperrt, überall wären Zäune oder Kameras und Securities, die die Leute daran hintern würden irgendwo hinunter zu steigen.. Hier in Kolumbien - nichts - kein Mensch dort, man kann prinzipiell machen was man will.. :)
Ein paar der Gräber waren mit Farben verziert, ein paar hatten kleine Säulen und Nischen - alle ähnlich, aber dann doch alle anders. Auch die Zugänge waren anders und die Tiefe der Grabmäler. Leider ist nicht wirklich viel darüber bekannt, außer die ungefähre Zeit, wann sie gebaut wurden und dass Männer mit viel Einfluss ("Politiker" und Priester) dort begraben wurden. Vermutet wird, dass bis zu 50 Männer an einer Grabstätte gebaut haben und sie bis zu einem Jahr gebraucht haben um sie fertig zu stellen. Dann sind diese mit den Überresten der Personen und einigen Tontöpfen etc. befüllt worden; und pro Grabmal wird vermutet sind bis zu 50 Leute begraben worden, bevor sie endgültig versiegelt wurden und dann eine neue Grube gegraben wurde..
Wir haben jede einzelne Grube begutachtete und sind überall hinuntergeklettert ;) Einige Stufen sind echt unglaublich hoch! Wahnsinn, wie die kleinen Südamerikaner das vor 1.500 Jahren gemacht haben..
Die knapp 4-stündige Wanderung war also meiner Meinung nach ein absoluter Erfolg! Und auch wenn die Hinfahrt (und die Rückfahrt - siehe weiter unten) wieder mal die Label "Abenteuer" und "mal etwas anders" verdienen hat sich der Trip definitiv ausgezahlt! :) Komplett alleine durch kolumbianische Berglandschaften wandern! Und wenn die Grabmäler nicht überdacht gewesen wären, dann hätte man meinen können, wir hätten sie entdeckt, weil rundherum sonst einfach nichts war.. :)
Vor allem auch, weil dann der zweite Tag super war - die Museen und die anderen beiden großen und wichtigen Ausgrabungsorte wieder für die Öffentlichkeit zugänglich! ;) Und beim Einschreiben haben wir wieder einen Beweis dafür bekommen, wie untouristisch die Gegend ist: vor uns haben sich an dem Tag nämlich nur 2 Leute eingeschrieben für die Museen und die wichtigsten Grabmalstätten... - total genial.
Die zwei Museen sind dann extra für uns auf- und zugesperrt worden, bevor wir dann zu Segovia gewandert sind - dem Ort mit den am besten erhaltenen und den größten und tiefsten Grabmälern. Und das war dann nochmal um einiges faszinierender - die Wandmalereien, die einmeißelten Gesichter im Stein, die Löcher in den Böden, die teilweise noch übrig gebliebenen Töpfe in den Gruben.. absolut cool!
Warum hier - warum die paar Stätten in der Gegend so verstreut (14 km Wanderung würde alle Stätten abklappern) - warum haben einige ein paar Nischen und andere nur eine große Kammer.. etc. absolut faszinierend!
Und wie eh schon erwähnt: das Tolle daran - wir waren allein. Die meiste Zeit kein Mensch in der Nähe. :)
War übrigens Wasser kaufen - und ich hab mich zuerst mal nicht so ganz ausgekannt als ich gefragt wurde ob es okay ist wenn sie in einer "bolsita" sind.. und ich habs richtig verstanden - es gibt wirklich abgepacktes Wasser in Sackerl... ;)
Ach - Rückfahrt; hab ich eh schon kurz erwähnt, dass unser Plan wieder einmal nicht ganz optimal funktioniert hat..
Geplant: 13 Uhr in Richtung Popayán zurück; Haltestelle wieder dort, wo wir rausgelassen wurden. Und weil man ja nie so richtig weiß (wenn wir bei der Hinfahrt schon eine Stunde Verspätung hatten...) wann genau der Bus kommt ist es besser lieber etwas früher dort zu sein. 12:30 Uhr waren wir deshalb an der Haltestelle.. und haben gewartet und gewartet und gewartet. Bis ca. 14:30 Uhr. Und dann kam der Bus aber nicht von links, wie wir gedacht hatten, sondern von rechts..?! Ja - er fährt nur noch zwei Dörfer weiter und dreht dann um und dann geht's zurück nach Popayán.. wir können gerne einsteigen. Okay. Ja passt, machen wir.
Ratet wie lange diese zwei Dörfer-Runde gedauert hat.... 1,25 Stunden! Hin!! Dann Pause. Und dann wieder 1,25 Stunden retour. Wir sind dann um ca. 16 Uhr wieder bei dem Fleck vorbeigefahren, an dem wir eingestiegen sind.. Juhuuuuui. So macht reisen Spaß! ;)
Und weil die Straße immer noch nicht getrocknet war bzw. vielleicht hat es auch wieder drauf geregnet, war ein Teil der Fahrt auf recht schlammigen Untergrund.. Das hat den Bus ein paar Mal eher rutschen lassen als fahren .. und einmal ist er dann auf einem steilen Stück abgestorben. Ohne Chance ihn normal wieder anspringen zu lassen... Nach ein paar Versuchen: Rückwärtsgang rein und rückwärts den Hügel hinunter, bis der Motor dann doch angesprungen ist. Hatte keine Ahnung, dass man einen Motor auch im rückwärtsfahren wieder anstarten kann.. ist auf jeden Fall nicht so ganz lustig, wenn man in einem Bus sitzt, der so schnell wie möglich nach hinten rollt...
Da waren dann die beiden Male wo wir "nur" stecken geblieben sind und die Reifen durchgedreht haben gar nicht so spannend ;)
13:00 Uhr geplante Abfahrt + 4 Stunden geplante Fahrt = geplante Ankunftszeit = 17 Uhr.
wirkliche Ankunftszeit: 20:45 Uhr. Juhuuuui. ;)
Aber - trotz aller kleinen Hürden hat sich die Reise ausgezahlt! :)
Tierradentro sollte definitiv in den Reiseführern mehr herausgestrichen werden - ein absolut verstecktes, aber sehr sehr sehenswertes Ziel! :)
Ich meld mich bald wieder - mit vermutlich ein paar neuen netten Reisegeschichten, die ursprünglich anders geplant waren! ;)
hasta la proxima.





































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