Sonntag, 6. September 2015

Costa Rica - Puerto Viejo

In Mittelamerika ist die Zeit zwischen Ein- und Ausreisestempeln im Vergleich zu Südamerika bisher deutlich kürzer.. Nachdem wir knapp eine Woche in Panama verbracht haben (eine Woche ist für ein Land definitiv zu kurz - aber wird uns leider in den nächsten auch so gehen.. - das ist Problem, das man bei jeder Reise irgendwann hat: obwohl man an und für sich wochen/monatelang Zeit hat, hat man keine Zeit! - man könnte immer länger wo bleiben.. und unser Zeitbudget für Mittelamerika ist leider recht klein dieses Mal) ist das nächste Land auf der Karte also Costa Rica.

Nach Ecuador und Kolumbien die zweite Landgrenze auf dieser Reise.. :)

Wieder selbes Prozedere: in Panama zum Büro und dort Ausreisestempel holen. Dann haben wir zu einem anderen Büro müssen - schon direkt am Anfang der Brücke, über die wir dann spaziert sind - Ausreisegebühr bzw. Ausreisesteuern für Panama bezahlen - dafür haben wir ein Pickerl im Pass - da freu ich mich auch immer drüber. :) Und dann eben wir gesagt über die Brücke nach Costa Rica.


Einen Fuß in Costa Rica und den anderen noch in Panama - Zeitreise! ;) 



Die alte Brücke wird gerade saniert (Costa Rica Seite ist schon fertig) und deshalb sind wir über die Autobrücke gegangen (Auto sind umgeleitet worden). Das an und für sich war schon cool - mit Hab und Gut über eine Brücke im "Niemandsland". Was das Ganze aber noch viel cooler gemacht hat ist, dass es zwischen Panama und Costa Rica eine Stunde Zeitunterschied gibt.. dh. auf einmal war der nächste Schritt kein normaler Schritt, sondern eine Reise zurück in Vergangenheit. :)

Auf der Costa Rica Seite angekommen sind wir dann ins Einreisebüro den Einreisestempel holen. :) Kurz haben wir geschwitzt, weil offiziell wieder ein Ausreisedokument verlangt wird, wenn man nach Costa Rica einreisen möchte, und weil ein Typ dort gemeint hat wir können kein Busticket vor Ort kaufen.. aber die Dame mit den Stempeln hat froh mit einer ihrer Kolleginnen getratscht und zack - Stempel war im Pass. Also so gar kein Problem. :) Und damit: Willkommen in Costa Rica.

Erster Stop - Puerto Viejo
Ein kleiner "Surfer"Ort an der karibischen Küste nicht weit entfernt von der Grenze.
Die Erkundungstour haben wir bald abgeschlossen, weil die Stadt an und für sich aus Schlafgelegenheiten, Restaurants, Bars und Souvenirläden besteht. Ist vermutlich durch den Touristenboom einfach auch wegen den Touristen bzw. für die Touristen entstanden. Aber auch hier haben wir uns gewundert, warum wir eigentlich nicht viele Leute treffen.. Generell ist es bisher so, dass uns die Touristen auch an den Touristenorten fehlen.. es scheint überall Nebensaison zu sein.

Leider hat wieder das Wetter nicht so ganz mitgespielt und deshalb haben wir auch hier unsere Strand-Idee verschieben müssen..

Was aber definitiv das Geplante erfüllt bzw. Erhoffte eigentlich sogar bei Weitem übertroffen hat unsere Regenwald-Tour. Costa Rica ist ja bekannt für Flora und Fauna - mit einer unglaublichen Dichte an unterschiedlichen Tier- und Pflanzenarten auf kleinstem Ort. Deshalb wollten wir unbedingt irgendwo in den Regenwald und zumindest einen kleinen Teil davon sehen - und unser Guide hat uns das mehr als ermöglicht.. wir haben viel mehr gesehen als erhofft! Die Top 10 Liste, der Tiere, die man in Costa Rica sehen soll - angefangen mit Faultieren oder den ganz bekannten giftgrünen Fröschen - können wir abhaken :)
Absolut cool..

Am Anfang der Tour hat uns der Guide - Tino - durch seinen Garten geführt und an so ziemlich allen Kräutern bzw. Bäumen / Früchten riechen und kosten lassen, die bei ihm so wachsen. Angefangen von Koreander; über Zimtbäume (hatte keine Ahnung wie die aussehen); lustigen Gräsern, die sich zusammenziehen, wenn man sie berührt; Lemongrass; Mangostine-Trees; etc.
Eine Frucht ist übrigens ein super Anti-Insektenmittel, wenn man die Samen zerquetscht und die Farbe auf die Haut schmiert.. ;)


Damit ausgestattet und mit ein paar noch nie probierten Früchten im Bauch sind wir dann los marschiert.. Zuerst ein bisschen den Strand entlang und dann eine Runde durch den secondary und anschließend primary forest. Unterschied zwischen den beiden: der secondary forest ist von Menschen "bearbeitet". Dh. die Lianen etc. sind alle nicht mehr zu sehen, der Weg ist viel breiter und leichter zugänglich etc. Und man merkt da echt innerhalb von ein paar Metern schon einen Unterschied!

Schnell haben wir uns auf der ganzen Tour nicht fortbewegt, weil unser Guide alle paar Meter stehen geblieben ist, weil er etwas neues entdeckt hat, das er uns zeigen wollte... wirklich unglaublich - er hat alles gesehen.. :) Und das muss ich euch natürlich auch gleich zeigen... :)

Locust - Wanderheuschrecke.. die haben wir auf einer superschönen Blume gefunden - bzw. der Guide ;) - und er hat sie mir auf meinen Finger gesetzt. Riiiesig! Generell sind ja im Regenwald die Viecher und Pflanzen immer etwas größer als bei uns daheim - aber dass es so eine große Heuschrecke gibt hab ich nicht gewusst..

Wir haben dann auch sofort Freundschaft geschlossen, weil sich die Heuschrecke anscheinend bei mir so wohl gefühlt hat, dass sie ihre Körperflüssigkeiten auf mir verteilt hat... mmmmmmm... ;) 

Blaukrabbe .. unglaublich schnell sind die ;)

Ein Einsiedlerkrebs. :) Hab immer geglaubt, dass es die nur am Strand gibt.. aber an und für sich kommen sie nur zum Strand wenn ihre Muschel zu klein wird und sie sich ein neues Haus suchen müssen, oder wenn sie Eier legen.. aber ansonsten wohnen sie im Regenwald.. irgendwie komisch sie zwischen Regenwaldbäumen zu sehen...

Jesus Christ Lizards - ist der Spitzname für die Helmbasilisken .. und der kommt nicht von irgendwo.. das Tier kann nämlich durch seine hohe Laufgeschwindigkeit und die Art und Weise wie die Zehenzwischenräume Lufträume bilden kurze Strecken auf Wasser laufen! Supercool! Wer's nicht glaubt kann sich hier ein kurzes Video anschauen.. :) 

Brüllaffen - die haben wir leider nicht näher gesehen, aber durchgehend gehört.. 

Eine Art von Breitmaulfrosch - da gibt's aber leider so viele, dass ich mir nicht wirklich gemerkt hab, wie diese Art heißt. Aber unglaublich, dass unser Guide den kleinen Frosch auf dem Waldboden überhaupt gefunden hat.. super getarnt durch die Farbkombinationen!

eine Art von Baumsteigerfrosch

Toucan - das sind superschöne Vögel mit unglaublich bunten Schnäbeln.. echt cool! :) 

Und Kaimane - eine Unterart von Krokodilen und Alligatoren.

Libellen - riesig sind die..!

Und dann eines meiner Highlights: der Rotaugenlaubfrosch - red eyed tree frog.
Supercoole Frösche.. die sind eigentlich nachtaktiv - und unser Guide hat den Frosch auch schlafend in so einer Haltung auf einem Blatt gefunden - wie ist mir ein Rätsel, aber er hat ihn gefunden! :) 

Und der Frosch ist natürlich aufgewacht und wir haben ihn aus nächster Nähe gesehen.. überall gibt's Postkarten mit dem Frosch als Motiv, weil er halt super bekannt für Costa Rica ist und ich hab eigentlich nicht daran geglaubt, dass wir welche in freier Natur sehen.. und dann doch! :)) 


Die Farbkombination mit dem giftgrün, den orangenen Zehen, den knallroten Augen und den blauen Innenseiten der Beine ist einfach der Wahnsinn...

noch ganz verschlafen der Arme..

Hier sieht man die Farben vor allem von den Beinen so gut.

Und ein Größenvergleich :) 

war absolut begeistert von dem Frosch.. :)

Und auch total bekannt in Costa Rica - der Faulbär .. aaaah - das Faultier.
Da hab ich vor 2 Monaten ca. einen Übersetzungsfehler gemacht und der ist irgendwie geblieben.. ;) Für uns heißt das Tier jetzt Faulbär.. ;) 

Gibt in Costa Rica zwei unterschiedliche: two bzw. three toed sloth.
Und die sind wirklich cool, so gemütlich wie sich die oben in den Baumkronen bewegen. Außerdem hab ich geglaubt, dass die viel seltener sind - aber wir haben bei unserer Wanderung gleich zwei gesehen..

Eye-Lashed Viper.. gibt's in verschiedenen Farben. Ein braunes Weibchen kann auch unterschiedliche Babies auf die Welt bringen spannenderweise... 
Und wenn sie gelb sind dann nennt man die Terrible Beauty..

Owl-Eye Butterfly - werden bis zu 20 cm groß und sind damit (mit einem anderen blauen von dem wir leider kein Foto haben) die größten Schmetterlinge in Mittelamerika.

Hunderfüßler

Golden Web Spider - Seidenspinnen

Deren Netz ist unglaublich stark.. fast wie Fäden und man muss sich wirklich bemühen da eins durchzureißen. Außerdem sind sie superelastisch... Die Fäden werden übrigens teilweise als Nähgarn bei Operationen verwendet.. zum Beispiel bei Augenoperationen, wo sie bei gerissenen Nervensträngen "eingebaut" werden, damit sich die Nerven dort "entlanghandeln" und wieder zusammenwachsen können. 
Außerdem werden sie in der Autoindustrie verwendet - wofür genau war sich der Guide nicht sicher.. Fischer verwenden die Fäden um Netze zu machen und anscheinend machen Leute auch Kleidung daraus.. Also wahnsinnig vielseitig diese Spinnennetze - war mich auch überhaupt nicht bewusst, dass sowas überhaupt möglich ist..!

Und daaaann hat Tino gemeint die Spinnen tun nichts und es wär doch eine coole Fotoidee sich die Seidenspinnen ins Gesicht zu setzen.. aaahm.. ja. Gut - er hat's dann vorgemacht und dann ja - wenn man schon mal die Gelegenheit hat eine Seidenspinne im Gesicht sitzen zu haben, muss man das ja fast tun ;) 


hahaa - "Bist du dir sicher..?!?!"

Lustiges Gefühl... die Beine sind recht kitzelig.. aber auf eine eigenartige Art und Weise

Und dann jaaaa nicht den Mund aufmachen..

Spinnenbeine im Ohr sind dann doch etwas eigenartig ;) 

halbwegs entspannt.. :)


Und Spinnenbeine im Auge sind auch nicht das Tollste.. ;) Aber ja - muss man mal probiert haben.. oder so. ;) 

Die waren auch lustig.. Wax Tail Hopper .. also eine Art Grashüpfer die zur Abwehr von Feinden diesen eigenartigen Schwanz aus Wachs mit haben.. ist eine Absonderung von Wachssekret, die man angreifen kann und die sich in den Händen nach und nach auflöst.. wirklich eigenartig dieses Tier.. aber so spannend, was es alles gibt!!! 

und ein paar Umgebungsbilder :) 


Diesmal Dank dem "natürlichen" orangenen Gatsch nicht so Moskito-anfällig. und weil es auch nicht so schwül war haben wir unseren Wasesrhaushalt auch halbwegs im Griff gehabt ;) 


Und dann gibt's nicht nur die coolen Tiere im Wald sondern auch jede Mengen eigenartiger Pflanzen... beispielsweise den dekorativen Efeu.. 

Oder den Tattoo-Farn.. den man sich auf die Haut legt - Blattoberseite nach oben - einmal draufklopft, wodurch sich der weiße - ich nenn es mal Staub löst und der bleibt dann auf der Haut kleben.. :) echt cool! Aber da hab ich gemerkt, dass ich doch noch recht weiß bin und eher bleich nach Hause komm, wenn ich nicht bald in die Sonne komme! ;)  

... diese Papparazzi...

Secondary Forest - merkt man daran, dass die Lianen alle weg sind und der Wald nicht so dicht ist.. Secondary Forest ist nämlich von Menschen bearbeitet.. der primary forest nicht. 

Tino auf der Suche nach Tieren und Pflanzen.. und er war wirklich unglaublich - kann es immer noch nicht glauben, was er alles gefunden hat! 


Die Regenwaldtour durch das Amazonasgebiet und die hier in Costa Rica kann man so gar nicht vergleichen - unterschiedliche Wälder, Pflanzen, Tiere.. und die Wanderung hier war auch nicht einmal annähernd so schwül und heiß, das heißt der Schweißverlust hat sich diesmal in Grenzen gehalten.. Nass geworden sind wir aber trotzdem, weil es während der Wanderung zugezogen hat und in der letzen knappen Stunde hat der Wind angefangen zu zeigen was er kann und auf einmal hat es zu schütten begonnen. Schütten.. jap - so richtiger Regenwaldregen mit riesigen Tropfen .. und viele davon!
Und innerhalb von ein paar Minuten waren wir klatschnass.. Nässer als wir innerhalb derselben Zeit unter ein paar Duschen, die wir schon hatten, geworden wären.. ;)
Aber ja, sowas gehört dazu - das war dann ein passender Abschluss hätte ich gesagt ;)

Puerto Viejo werd ich also wegen unseren Erlebnissen mehr mit Regenwald verbinden, als so manch andere, die es halt als Surferort betrachten.. aber der Ausflug war absolut genial. :) vor allem weil wir halt einen wirklich genialen Guide gehabt haben und soo viel gesehen haben :)

Weiter geht's in Richtung Nordwesten..
bis bald liebe Leser

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